„Wir stehen unseren Kunden als Komplettanbieter zur Seite“

„Wir stehen unseren Kunden als Komplettanbieter zur Seite“
Bild: H&C Stader Fotograf: Christoph Behrmann

Die archivalism GmbH ist nach mehreren Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit nun vollständig Teil der H&C Stader Firmengruppe. Durch die Übernahme können wir Synergien noch besser nutzen und unsere Archive Services weiter ausbauen. Für unsere Kunden bedeutet das: ein noch breiteres Leistungsportfolio – von der strategischen Geschichtskommunikation bis zur professionellen Archivierung aus einer Hand.

Bild: H&C Stader Fotograf: Christoph Behrmann

Mit Raphael Hartisch, Gründer und Geschäftsleiter von archivalism, und Matthias Schlösser, Leiter H&C Stader Archive Services, sprechen wir über die Hintergründe des Schrittes und die Perspektiven von archivalism als Teil von H&C Stader.

Bereits seit 2022 ist archivalism Teil der H&C Stader Gruppe, nun wurde das Unternehmen vollständig übernommen. Wie kam es dazu?

Raphael Hartisch: Gegründet habe ich archivalism ursprünglich als Einzelunternehmen. Nachdem die Zahl der Kunden über die ersten Jahre konstant gewachsen ist, entstand 2022 durch Gespräche mit H&C Stader die Idee einer gemeinsamen GmbH. Dort war ich mit 60 Prozent beteiligt und H&C Stader mit 40 Prozent. Die Abgabe meiner Geschäftsanteile und Übernahme durch H&C Stader ist quasi der letzte Schritt, wobei ich die fachliche Leitung des archivalism-Betriebs behalte.

Matthias Schlösser: Als Leiter der Sparte H&C Stader Archive Services bin ich die Schnittstelle zwischen archivalism und H&C Stader. Ich verantworte die Integration und Synergien, die sich im Hintergrund ergeben - Ressourcenplanung, fachlicher Austausch und Wissenstransfer, Logistik und Lagerung sowie Digitalisierung.

Wer sind die typischen Kunden von archivalism? Wie hat sich die Zielgruppe über die Jahre verändert?

Raphael Hartisch: Unser Kundenstamm ist noch immer durchmischt. Wir haben mit ein, zwei Privatkunden und kleineren Unternehmen angefangen. Mit der Zeit kamen mehr Aufträge der öffentlichen Hand dazu, das hat sich bis heute gehalten. Wir haben außerdem einige Vereine und Organisationen dabei, die uns regelmäßig beauftragen. Außerdem haben wir einen großen Unternehmenskunden aus Ostdeutschland, der uns seit mehreren Jahren wiederkehrend beauftragt. Für diesen bauen wir jetzt im vierten Jahr das Archiv auf. Den Großteil unseres Tagesgeschäfts machen jedoch Aufträge der öffentlichen Hand aus.

Gerade in diesem Punkt liegt auch ein Unterschied zur Archivsparte von H&C Stader, richtig?

Matthias Schlösser: Genau, das ist der Unterschied zwischen archivalism und H&C Stader sowie deren Kundenspektrum. Während H&C Stader schwerpunktmäßig auf die Privatwirtschaft ausgerichtet ist, liegt der Fokus von archivalism auf der öffentlichen Hand. So wollen wir das auch beibehalten.

Welche neuen Möglichkeiten und Chancen eröffnen sich durch den Zusammenschluss mit H&C Stader?

Raphael Hartisch: Wir haben bisher schon eng vernetzt gearbeitet, die Übernahme bietet dennoch ganz andere Möglichkeiten in der Zusammenarbeit und im gemeinsamen Nutzen von Ressourcen. Das kommt am Ende unseren Kunden zugute.

Matthias Schlösser: H&C Stader wird verstärkt mit archivalism bei spezialisierten Digitalisierungsaufträgen zusammenarbeiten. Zukünftig prüfen wir noch genauer, an welchen Standorten Kapazitäten frei sind, damit wir unsere Projekte noch effizienter umsetzen können. Einen archivalism-Auftrag eines Baden-Württemberger Kunden bearbeiten wir so bereits in Mannheim und sparen uns den Transport des Materials an unsere Standorte in Erfurt oder Neuseddin bei Potsdam. Auch bei internen Abläufen arbeiten wir in verschiedenen Bereichen an der Umsetzung gemeinsamer Lösungen, beispielsweise beim Management des Verpackungsmaterials an unseren verschiedenen Standorten. Ich glaube, da ist für die Kunden wirklich ein großer Mehrwert, den sie in den nächsten Monaten und Jahren spüren werden.

Raphael Hartisch und Matthias Schlösser unterwegs im Archiv.

 Gibt es eine Vision, die hinter diesen Plänen steht?

Raphael Hartisch: Definitiv. Wir wollen unsere Stärken und Erfahrungen der letzten Jahre nutzen und uns weiterentwickeln, um unseren Kunden als Komplettanbieter im Bereich Archiv zur Seite zu stehen. Schon jetzt können unsere Kunden bei uns von A bis Z alles beauftragen, vom klassischen Umverpacken und Entmetallisieren von Akten, über die Reinigung von Archivgut oder deren Digitalisierung bis hin zur Bestandserschließung. Zusätzlich beraten wir unsere Kunden zur Nutzung von Datenbanken und Tools und unterstützen bei der Nutzbarmachung von historischem Content in Publikationen oder Ausstellungen. Durch unsere starke Vernetzung mit guten Partnern sind wir in der Lage für unsere Kunden optimale Lösungen zu finden.

Matthias Schlösser: Gemeinsam gehen wir neue Wege und prüfen die Anbindung von KI-Lösungen an Archivinformationssysteme und Datenbanken für eine verbesserte Anwendbarkeit von historischen Fragestellungen für unsere Kunden. Zusätzlich aktualisieren und modernisieren wir in unserem Digitalisierungs-Lab die eingesetzten Technologien und sind mit anderen Experten im ständigen Austausch.

Welche besondere Expertise bringt das archivalism-Team für seine Aufgaben mit?

Raphael Hartisch: Wir haben ein Team von Spezialisten, das von der blanken Theorie über viel Praxisbezug die klassische Archivarbeit gelernt hat, sei es durch die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste oder das Studium der Archivwissenschaften. Über die Projekte der letzten Jahre bringen wir dazu vor allem viel Erfahrung in der regelmäßigen Aktenbearbeitung und Erschließung mit, auch von größeren Beständen.

Auch beim Aufbau von Archiven können wir auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen, den wir uns in verschiedenen Projekten erworben und immer wieder angewendet haben. Auch Transkription und Retrokonversion, also das Lesen und Übertragen von alten Handschriften, machen wir wiederkehrend, jedes Jahr in verschiedenen Projekten. Zudem bieten wir spezialisierte Digitalisierungsleistungen für unsere Kunden an und passen diese ständig an deren Anforderungen an.

Zum Abschluss: Was wünschst du dir mit Blick auf die Archiv-Arbeit?

Raphael Hartisch: Ich fände es schön, wenn wir da ein anderes Bild reinbekommen würden, dass Archivierung insbesondere für die öffentliche Hand eben nicht nur eine lästige Pflicht ist, sondern einen wichtigen Nutzen hat. Es entlastet die Verwaltung, schafft Sicherheit für das eigene Handeln und ermöglicht Nachweisbarkeit und Nachprüfbarkeit von Zusammenhängen. Wir sorgen dafür, dass überflüssiges Schriftgut und Material ausgesondert und versuchen 99% dessen, was an Dokumenten analog wie digital entsteht, zu vernichten. Doch halt! Dieses eine wichtige Prozent rauszufiltern, das absolut überlieferungswürdig ist und am Ende zur Geschichtsschreibung beiträgt, das ist die große Chance und Herausforderung zugleich, auf die wir uns voll konzentrieren.

Vielen Dank für das Gespräch!